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Francis Bacon. Die Portraits

Der moderne Mensch in seiner existenziellen Zerrissenheit, seiner sozialen Vereinsamung und seiner kreatürlichen Rohheit steht im Mittelpunkt des malerischen Schaffens von Francis Bacon. Zwischen Abbild und Verfremdung entstand so eine einzigartige Galerie des Menschen im 20. Jahrhundert.
Zu sehen sind die Bilder noch bis zum 15. Januar 2006 in der Hamburger Kunsthalle.

Kopf
Francis Bacon (1909-1992)
Studie eines Kopfes, 1952";"Öl auf Leinwand
50 x 40,5 cm
Geschenk von Beekman C. und Margaret H. Cannon
© The Estate of Francis Bacon / VG Bild-Kunst, Bonn 2005
Yale Center for British Art, New Haven
Photo: Richard Caspole
Von zentraler Bedeutung in Bacons Gesamtwerk sind die Bildnisse, die der Künstler zunächst vor dem lebenden Modell, dann aber immer häufiger unter Zuhilfenahme von Photographien und Reproduktionen schuf. So entstanden schonungslose Selbstbildnisse und die von geradezu brutaler Leidenschaftlichkeit getriebenen Portraits seiner Freunde und Künstlerkollegen. Erstmals gilt diesem Aspekt im Werk des Künstlers eine eigene Ausstellung, die sich mit Bacons malerischer Haltung und seinen Verfremdungsverfahren ebenso beschäftigt wie mit der Geschichte seiner Modelle und der Beziehung des Malers zu ihnen.

Drei
Francis Bacon (1909-1992)
Drei Studien für ein Portrait von Lucien Freud, 1965
Öl auf Leinwand (Triptychon)
jeweils 35,5 x 30,5 cm
© The Estate of Francis Bacon / VG Bild-Kunst, Bonn 2005
© Yageo Foundation, Taipeh Photo: R. Schalchi, Zürich


Die Bildnisse aus der Zeit zwischen 1949 und 1991 zeigen, wie der Künstler sich in seinen Werken den Personen seines nächsten Umkreises näherte. In den frühesten Bildern der Ausstellung scheint es, als schäle sich der Mensch schrittweise aus dem Dunkeln des Malgrundes heraus und nähme erst langsam und vorsichtig Gestalt an, um dann, kaum dass er in den ersten Papstbildnissen von 1951 KÖrper und Volumen erreicht hat, unter milchigen Schleiern wieder zu verschwinden - als werde er vom Maler zurückgedrängt in die Tiefe einer undurchdringbaren Nacht.

Zu Beginn der sechziger Jahre entwickelte Bacon dann mit den kleinen Triptychen eine Formel, die ihn über rund zwanzig Jahre immer wieder beschäftigte. Gerade bei den kleinen Triptychen und Einzelbildnissen, die in ihren äußeren Bedingungen zunächst so gleichfÖrmig erscheinen, lässt sich eine ganz unterschiedliche Behandlung der malerischen Verpuppung und Verzerrung beobachten, die für Bacons Bildnisse so typisch sind.

Moraes
Francis Bacon (1909-1992)
Portrait von Henrietta Moraes, 1969
Öl auf Leinwand
35,5 x 30,5 cm
© The Estate of Francis Bacon / VG Bild-Kunst, Bonn 2005 Pivatsammlung
In den gleichen Jahren entstand aber auch eine Reihe herausragender Bildnisse, die Bacon der ganzen Figur widmete. Hier setzte er seine Modelle auf Bühnen und Postamente, konstruierte räumliche Gefüge von grÖßter Spannung und Intensität und arbeitete so kontinuierlich an einer großen Metapher für die menschliche Existenz - geworfen, getrieben, sich vorantastend und scheiternd, eingespannt zwischen Werden und Vergehen, zwischen Leben und Tod.

Für diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem British Council und der National Gallery of Scottland, Edinburgh, konzipiert wurde, werden über 50 Bildnisse aus internationalen Sammlungen zusammengetragen, etwa aus dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Centre Georges Pompidou in Paris, der Tate Gallery in London sowie von zahlreichen weiteren Öffentlichen und privaten Leihgebern. Photographien und Arbeitsmaterial des Künstlers machen darüber hinaus Bacons Vorgehensweise anschaulich.

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
D-20095 Hamburg
www.hamburger-kunsthalle.de

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